young woman bowing her head in a field.

Wettbewerbsgewinner: Dem Herrn vertrauen, durch Angst und Depression

Wenn eine Depression sich anfühlt, als ob sie die Macht ergreift, hilft uns der Glaube, dass unsere Schwierigkeiten sich lohnen.

Ich konnte Mitleid in den Augen der Ärztin sehen, als sie mir erklärte: „Es ist nicht außergewöhnlich, dass Medikamente eine Steigerung der Symptome von Angst und Depression bewirken, sowie auch die Wirkung des Antidepressivums behindern.“

Ich nickte zustimmend und fokussierte mich auf die Ecken meines Mundes, so dass sie leicht nach oben gerichtet waren und dass meine Augen sich etwas mehr als normal öffneten. Ich wollte nicht, dass sie meinen Kummer sah. Ich wollte ihr auch durch mein Gesicht vermitteln, dass ich zuhörte.

„Es kann sein, dass Sie entweder Ihre Dosis oder Ihre Vitamine steigern müssen. Auf jeden Fall, tut es mir Leid, dass Sie auf dieser Weise leiden.“

„Das macht nichts,“ sagte ich aus Gewohnheit, aber mein rasch schlagendes Herz und mein rasender Verstand sagten mir anderes. Mir ging es nicht gut. Mein Verstand war hyperaktiv.

Ich nahm die zehn Pillen, die sie vor mich legte und wünschte ihr einen schönen Tag. Meinen Rucksack über die Schulter schwingend, verließ ich die Arztpraxis voller Enttäuschung und Aussichtslosigkeit. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich wirklich nicht, was ich machen sollte.

Seit dem ersten Schuljahr hatte ich diese lähmende Depression und Angstzustände. Aber erst als ich demütig genug war, fand ich mich bereit, um Hilfe zu bitten. Nachdem ich diese Entscheidung getroffen hatte, hat sich mein Leben komplett gewandelt. Ich fand Freude am Leben und fühlte mich glückselig froh. Mit einer Einstellungsänderung und einem neu gewonnen Vertrauen, konnte ich besser mit meinen Schwierigkeiten umgehen. Ich hatte ein dauerhaftes Gefühl des Friedens, ein Gefühl, das nicht nur durch die Hilfe der Medikamente kam, sondern auch durch das Sühnopfer des Heilands.

Als ich von meiner Mission zurückkehrte, machte ich die empfohlenen ärztlichen Tests, um festzustellen, ob ich tuberkulosefrei wäre. Ich dachte wenig darüber nach, als man mir in den Arm stach und mir sagte, ich solle in 48 Stunden wiederkommen. Dementsprechend war ich sehr überrascht, als der Test positiv zurückkam.

Ich hatte keine Panik. Um ganz ehrlich zu sein, dachte ich, dass es fast zum Lachen war. Wer bekommt Tuberkulose auf Mission im ländlichen Teil vom Bundesstaat New York? Wie unwahrscheinlich ist denn das? Und so begann ich, elf Wochen lang Medikamente gegen Tuberkulose zu nehmen. Die Kur bestand aus einem täglichen Vitamin und einem wöchentlichen Besuch bei der Ärztin, um zehn Pillen auf einmal zunehmen.

Es war sicherlich öde, aber ich dachte es wäre einfach genug. Mich traf abermals der Schlag, als ich eines Morgens aufwachte, mit allen Symptomen der Angst und Depression, die ich früher jahrelang hatte.

Täglich machte ich mir Sorgen, was andere Leute von mir hielten. Ich war mit meinem Studium im Rückstand und passte überhaupt nicht auf mich auf. Ich war zu überwältigt, um an irgendetwas zu arbeiten. Aber zur gleichen Zeit war ich frustriert, dass ich nicht das tat, was ich tun musste.

Ein paar Tage später fragte ich meine Ärztin, ob vielleicht die Tuberkulose-medikamente meine Angst und Depression verursachen könnten. Ich wusste nicht, ob eine Antwort mir helfen könnte, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es eine Hilfe sein würde. Stattdessen wurde ich nur noch frustrierter, welches mich ganz durcheinanderbrachte.

Ich fuhr nach Hause und lies mich aufs Bett fallen. Abermals füllten sich meine Augen mit Tränen. Ich hatte so viele Jahre mit diesen Qualen gelebt – warum noch einmal? Was musste ich lernen, dass ich noch nicht gelernt hatte?

Ich musste mich beschäftigen. Mit zitternden Händen und rasenden Gedanken, öffnete ich meinen Laptop und fand die Aufgabe für meine Religionsklasse: „Auf den Herrn vertrauen“ von Elder Richard G. Scott von der Herbst 1995 Generalkonferenz.

Sofort hatte der Herr auf mein Gebet eine Antwort gegeben. Beim Lesen des zweiten Paragraphen war es als ob ich die Stimme von Elder Scott hörte: „Niemand wünscht sich Beschwernisse. Prüfungen, Enttäuschungen, Trauer und Kummer haben zwei grundlegend verschiedene Ursachen. Wer die Gesetze Gottes übertritt, wird immer damit zu kämpfen haben. Ein weiterer Grund für Beschwernisse ist jedoch, dass die Absichten des Herrn in unserem Leben verwirklicht werden, nämlich uns durch Prüfungen zu läutern. Es ist für jeden von uns entscheidend, dass wir erkennen, welche der beiden Ursachen unseren Prüfungen und Herausforderungen zugrunde liegt, denn davon hängt ab, wie wir darauf reagieren müssen.“

Mein Herz wurde von Frieden erfüllt, als meine Augen an dem Artikel hingen. Als ich diese Worte las, wurde mir klar, wie viel der Herr mich liebte. Wie weit in die Zeitleiste meines Lebens ging er zurück, um zu gewährleisten, dass ich diese Ansprache lesen würde, genau zu dem Zeitpunkt, wo ich es brauchte? Wie viele Menschen wurden von ihm begeistert, damit diese Worte genau zu der Zeit der Not zu mir kamen?

Ich las weiter: „Gerade wenn alles gut zu laufen scheint, werden wir plötzlich von Schwierigkeiten überhäuft, die alle gleichzeitig auftreten. Wenn diese Prüfungen keine Folge ihres Ungehorsams sind, dann zeigen sie nur, dass der Herr denkt, dass Sie bereit sind, weiter zu wachsen. … Sie von dort, wo Sie sind, dorthin zu bringen, wo der Herr Sie haben möchte, das erfordert einige Anstrengung, die im allgemeinen mit Unbehagen und Schmerz verbunden ist.“

Am Ende der Ansprache hatte ich immer noch kleine Sorgen. Aber mein Herz war voller Hoffnung. Ich wusste, dass der Herr einen Plan für mich hatte. Obwohl ich nicht weiß, warum ich eine bestimmte Prüfung immer wiederholen muss, wurde mir klar, dass der Herr will, dass ich noch weiterwachse. Und diese Prüfung hilft mir, so zu wachsen, wie er mich wachsen lässt.

Über mein Gesicht breitete sich ein echtes Lächeln aus, als ich an meinem Bett kniete und dem Herrn Danke sagte, dass er einen Weg bereitete, damit ich diese Ansprache laß. Mein Herz wurde mit reiner Liebe für meinen Himmlischen Vater und für Jesus Christus erfüllt. Und mir wurde wieder klar, wie oft der Himmlische Vater uns in all unseren Lebenswegen die Hand reicht.

Elder Richard G. Scotts Ansprache über Schwierigkeiten und Prüfungen lesen.

Quelle: Generalkonferenz
—Camilla Stimpson aus Draper, Utah

Dieser Artikel wurde als einer von vier Gewinnern im Herbst 2015 Einreichungswettbewerb für Mormon Insights ausgewählt. Das Werk ist original und eine wahre Geschichte aus dem Leben des Autors. Wir sind für den Beitrag dankbar und laden interessierte Autoren dazu ein, und fordern Sie dazu auf, nach dem nächsten Einreichungswettbewerb Anfang 2016 Ausschau zu halten.

Übersetzt von Lynne Ursenbach Curtis aus Granger, Indiana

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